Patchworkdecke No. 10 von 10

29.12.2017 08:49



Unsere Patchworkdecke sollte von Beginn an ein Geschenk werden. Sie sollte nicht als Gewinn ausgelost werden, sondern wir haben uns ganz bewusst entschieden, diese an einen Menschen zu geben, der gemeinsam mit seinen Hunden etwas Außergewöhnliches leistet. Auf der Suche nach diesem Menschen, haben wir uns für Susanne Wagner entschieden.



Frau Wagner ist seit vielen Jahren professionell mit ihren Tieren tätig. Die tiergestützte Therapie und Pädagogik bilden die Grundvoraussetzung für diese wertvolle Arbeit in Krankenhäusern, Hospizen, Kinderheimen, Psychiatrien oder Einrichtungen für behinderte Menschen.

Frau Wagner hat uns herzlich eingeladen, sie und ihre Tiere einen Vormittag zu begleiten. Gemeinsam haben wir uns in einem Seniorenheim verabredet. Die Pflegekräfte waren informiert und wir sind in eine uns bis dahin fremde Welt eingetaucht.
Vor uns stand eine junge Frau, lächelnd, bepackt mit zwei Tierboxen. Auf der einen schlief ein plüschiger Kater und ein paar Etagen darunter Meerschweinchen und Kaninchen.
Mit dabei eine entspannte Tschechische Wolfshündin und eine quirlige und noch junge Mischlingshündin namens Luna.



Alles war eingespielt und wir fanden uns in der Rolle des Beobachters wieder, irgendwo im Gruppenraum. Mittendrin mit Blick von außen, ohne pädagogisches Fachwissen. Mehr stillschweigend und gespannt, was passiert. Der Raum füllte sich mit so vielen unterschiedlichen Menschen.
Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können.
Menschen, ohne Familie.
Menschen, die unendlich viel Lebenserfahrung haben.
Menschen, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können.
Menschen, die so viele Erinnerungen in sich tragen, welche teilweise nicht mehr greifbar sind und verblassen.


Und genau an diesen Punkten bewirkt die tiergestützte Aktivität von Frau Wagner, durch gezielte Impulse Erinnerungen zu wecken und zum Beispiel den alten, schwachen Körper zur Bewegung zu animieren.
Die Tiere geben den Menschen das, was wir Menschen selbst auf diese Art nicht leisten können. Sie schenken Zuneigung, unabhängig ihres Gegenübers. Selbst das bloße Betrachten der Tiere weckt Emotionen.



Was so spielerisch aussieht ist für Frau Wagner und ihre Tiere herausfordernde Arbeit. Unser Stuhlkreis war ein Mix aus Rollator, Rollstuhl und Stühlen. Auf jedem Platz ein anderer Charakter und sogar ein paar neue Gesichter waren dabei, mit denen Frau Wagner gekonnt das Gespräch aufgriff. Eine dieser Damen besaß früher selbst Schäferhunde und beobachtete die Hunde von Frau Wagner neugierig. Andere waren emotionsloser und streichelten die Tiere, mehr in sich gekehrt und zufrieden. Wieder andere Bewohner sprachen mit den Tieren. Eine Dame war ganz witzig und unterhielt die Gruppe, ein anderer Herr schlief immer ein und dann gab es noch die Katzenliebhaberin, die mit Hunden nicht so viel anfangen konnte.
Frau Wagner integrierte jeden der Heimbewohner. Amira, die Tschechische Wolfshündin, legte ihren Kopf nachfolgend auf den Schoß der Bewohner, mit denen sich Frau Wagner vorab mit Luna beschäftige.
Luna durfte sich spielend die Leckerlies mit dem Apportieren eines Futterdummies erarbeiten und dank ihrer zierlichen Größe fand sie auf dem Schoß der Heimbewohner immer einen Platz zum Streicheln.



Amira und Luna bewegten sich ganz ungezwungen im Raum während Frau Wagner den Kater behutsam aus seinem Schlaf weckte. Ein weiterer neuer Patient im Rollstuhl war in seiner Sprache und Bewegung sehr eingeschränkt. Frau Wagner führte die Hand des Mannes zum Kater und dieser begann, wenn auch nicht stark ausgeprägt, den Kater zu streicheln. Und es sind wahrscheinlich diese bedeutsamen und kleinen Augenblicke, die nur Tiere in einem Menschen auslösen können. Mit seiner kalten Nase und seiner rauen Zunge, leckte der Kater das Futter ab, das Frau Wagner zuvor in die Hand des Mannes legte.

Auch die Nagetiere wurden auf den Schoß der Patienten gesetzt und mit frischer Petersilie gefüttert. Die kleinen Tiere kennen diese Situationen von klein auf und sind daher sehr zutraulich, was uns persönlich sehr erstaunt hat.



Die Zeit verging rasend und all die Momente, die unglaublichen Beobachtungen waren für uns mehr als aufregend und auch wir mussten diese Szenen verarbeiten.
Die Arbeit, die Frau Wagner und viele andere Menschen mit ihren Tieren leisten, ist theoretisch einfach in Worte zu fassen.
Halten wir uns jedoch vor Augen, welchen emotionalen Stellenwert die Tiere leisten, sind diese Augenblicke und das was wir erleben durften nur schwer in Worte zu fassen.

Die Übergabe der Decke war dann schon fast nebensächlich. Ist es auch, in Anbetracht der Tatsache, welche wunderbare Arbeit an dieser Stelle geleistet wird.

Wir wünschen Frau Wagner auf diesem Weg alles Gute und weiterhin viel Freude mit ihren Tieren und ihrer Arbeit.


Kommentare

Tolle Aktion, die ihr dort gemacht habt. Ich habe es jetzt erst gesehen. Ich finde es auch wichtig, dass ihr diese Arbeit mit den Tieren vorgestellt habt. Es kommt viel zu kurz. Ich habe auch viele Jahre mit meinen Hunden ein Altenheim besucht und die Besucher sind sehr dankbar.

Tina S., 24.07.2018 12:23
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